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Theoretischer Hintergrund

In den letzten Jahren rückte sprachliche Bildung von Kindern als einer der wichtigsten Aufgaben für frühpädagogische Fachkräfte in den Vordergrund (Spreer & Girlich, 2017, S.89). Daher liegen Maßnahmen zur Sprachbeobachtung und zur Verbesserung der Sprachkompetenzen von Kindern vor der Einschulung schon seit längerem im Aufgabenschwerpunkt von Kultusministerien und Trägerschaften frühkindlicher Bildungseinrichtungen (Redder et al., 2011). In den einzelnen Bundesländern existieren eine Vielzahl an Verfahren zur Feststellung des Sprachstandes und zur Sprachförderung (Lüdtke et al., 2010; Lüdtke & Kallmeyer, 2007; Fried, 2004; Jungmann & Koch, 2017) wie auch unterschiedliche Organisationsmodelle für Sprachbildung und Sprachförderung im Bereich der Mehrsprachigkeit (Reich & Roth, 2002).

Im Zusammenhang mit der Implementierung von Sprachbildung und Sprachförderung im Elementarbereich weisen erste Ergebnisse von Studien aus den Niederlanden, Portugal, Finnland und der Schweiz auf Vorteile von Maßnahmen mit Peer-Beratungen, Coachings und Prozessbegleitungen hin. Ebenso liegen nachweislich wirksame Umsetzungsmöglichkeiten, wie beispielsweise das dialogische Lesen vor (Whitehurst et. al., 1999), die zur sprachförderlichen Tätigkeit im Elementarbereich empfohlen werden (Steinmetzer, 2017) sowie weitere Vorschläge beispielsweise speziell für den Umgang mit Mehrsprachigkeit unter anderem durch die Wertschätzung der Erstsprachen (Chilla et al., 2016; Panagiotopoulou, 2016; Wiesemann & Hofbauer, 2017).

In vielen Regionen in Deutschland besteht hierzu ein deutlicher Handlungsbedarf. Die Stadt Laatzen setzt sich in der Perspektive gerechter Bildungs- und Teilhabe-Chancen schon seit 2003 für die sprachliche Bildung aller Kinder in der Stadt ein (Stadt Laatzen, 2014), da dort der Anteil an Kindern mit Spracherwerbsschwierigkeiten besonders hoch ist. In den Einschulungsjahrgängen 2010/2011 bis 2013/2014 weisen in Laatzen im Durchschnitt nur 49,7 % der Kinder keine sprachlichen Auffälligkeiten auf (Region Hannover, 2014). Auf der Grundlage der Handlungsempfehlungen zur Sprachbildung und Sprachförderung des Niedersächsischen Kultusministeriums (2011) wurde bereits im Jahr der Herausgabe das Konzept „Sprachbildung und Sprachförderung – Das lokale Konzept für die sprachpädagogische Arbeit in den Laatzener Kindertagesstätten“ entwickelt.

Ein wesentlicher Schwerpunkt ist dabei die Qualifizierung der pädagogischen Fachkräfte in den Kindertagesstätten im Rahmen unterstützender Arbeit durch SprachexpertInnen vor Ort (Stadt Laatzen, 2014). Die Begleitung und Förderung von sprachlichen Fähigkeiten der Kinder wird damit als eine bedeutsame Aufgabe für pädagogische Fachkräfte verstanden. Um dieser Aufgabe gerecht zu werden, stehen zunächst die Qualitätsentwicklung der Kindertagesstätten und die Professionalisierung der pädagogischen MitarbeiterInnen als notwendige Voraussetzungen im Mittelpunkt.

Da sich allgemein die Datenlage zu Effekten von Qualifizierung und Professionalisierung allerdings noch nicht robust darstellt, können derzeit erst wenige Aussagen darüber getroffen werden, wovon Kinder in ihrem Spracherwerb innerhalb der frühpädagogischen Einrichtung am meisten profitieren (Girlich & Jurleta 2017, S.73). Genau an diesem Punkt setzt das Projekt QualiLinES an und ermittelt Sprachentwicklungsverläufe von Kindern eines gesamten Altersjahrganges unter den Bedingungen des lokalen Konzeptes der Stadt Laatzen. Damit sollen erste Hinweise herausgearbeitet werden, ob sich Qualifizierungsmaßnahmen des pädagogischen Personals möglicherweise förderlich auf die Entwicklung von Sprachkompetenzen von Kindern auswirken.