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Theoretischer Hintergrund

Sprachlich-kommunikative Kompetenzen werden unumstritten als Schlüsselqualifikationen zur Teilhabe an der Gesellschaft und an Bildungschancen betrachtet. Diesbezüglich weisen Jampert et al. (2005) auf die wichtige und herausfordernde Aufgabe von Erzieherinnen hin, den Anteil der Kindergartenkinder, die Probleme im Prozess der Sprachentwicklung aufweisen, professionell zu unterstützen. Dabei muss sich die Erzieherin als „Expertin der Sprachlichkeit im Alltag“ (Steiner 2006, 10) verstehen. Es ist notwendig, die Kompetenzen der pädagogischen Fachkräfte im Hinblick auf Sprachbildung und Sprachförderung auszubilden und in den Einrichtungen als Konzept zu implementieren. Im Gegensatz zu Deutschland (vgl. Lüdtke & Kallmeyer 2007) existieren z. B. in den USA bereits viele erfolgreich angewendete Leitlinien zum Umgang mit früher Intervention im Spracherwerb (vgl. American Speech-Language-Hearing Association 2008).

Ausgangspunkt eines präventiven Konzeptes ist die ganzheitliche Förderung im frühkindlichen Spracherwerbsprozess. Dabei steht die Kompetenzorientierung und die Förderung der Zone der nächsten Entwicklung (vgl. Wygotski 1987) im Vordergrund. Die präventiv-pädagogische Förderung verfolgt zwei Ansätze, die verbunden geplant und durchgeführt werden müssen (Niedersächsisches Kultusministerium 2011):

  • Sprachbildungals systematische Integration in den Alltag der Kinder in der vorschulischen Einrichtung – ist eine bedeutsame Aufgabe aller pädagogischen Fachkräfte im Alltag der Elementarerziehung.
  • Sprachförderungals gezielte Intensivierung von Sprachbildung und präventive Intervention – wird dann angeboten, wenn bei Kindern spezifische Förderbedarfe identifiziert und daraus abgeleitete Fördermaßnahmen adressiert werden.

Eine wirksame Konzeptualisierung von Sprachbildung und Sprachförderung muss in multiprofessionell gestützter Teamarbeit (vgl. u. a Krenz 2004) erfolgen, da der Spracherwerb in allen Lern- und Bildungsprozessen der frühen Kindheit enthalten ist und alle Bezugspersonen des Kindes damit eingebunden sind. Die präventive sprachliche Intervention darf nicht allein an externe Expertinnen und Experten delegiert werden, sondern ist Aufgabe aller an der Erziehung beteiligten Personen. Sozialpädagogische Fachkräfte, Sprachförderfachkräfte, Eltern und Erziehungsberechtigte sowie Grundschullehrkräfte und SprachtherapeutInnen weisen besondere Kompetenzen auf, die es in der kooperativen synergetischen Zusammenarbeit zu nutzen gilt. So kann die vorschulische Einrichtung mit ihren eigenen Fachkräften bei entsprechender Qualifizierung und interdisziplinärer Unterstützung befähigt werden, die präventive Arbeit selbst durchzuführen (Bundschuh et al. 2002).