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Theoretischer Hintergrund

Die Zahl der behinderten Menschen wird in Tansania auf ca. 3 Millionen und damit ca. 10% der Gesamtbevölkerung geschätzt. Jedoch herrscht derzeit in ganz Tansania ein großer Mangel an SonderpädagogInnen sämtlicher Fachrichtungen. Es gibt bisher nur wenige sonderpädagogische Studiengänge. Andere Hindernisse wiederum liegen jedoch im Land selbst. Globale Phänomene wie Korruption und die jahrhundertealte Stigmatisierung von Behinderten sind auch hier die wichtigsten Faktoren (vgl. Majura 2008). Eine Abschaffung dieser beiden komplexen Problemlagen ist derzeit wichtigste Aufgabe der Entwicklungszusammenarbeit – speziell im Bereich der Sonderpädagogik.

Kinder mit Sprachbehinderung haben bislang in Tansania keine große Lobby, denn innerhalb der gesamten Spannbreite von Behinderungen sind sie nicht so augenfällig wie schwer körperlich oder geistig behinderte Kinder. Lange Zeit gab es im gesamten Ostafrika keine SprachtherapeutInnen. 2006 stellte sich das damalige Sebastian Kolowa University College (SEKUCo) (heute: SEKOMU) dieser Herausforderung mit der Errichtung des ersten grundständigen polyvalenten BA-Studiengangs ‚Special Needs Education’, u.a. mit dem studierbaren Schwerpunkt ‚Speech and Language Impairment’.

Akademisch ausgebildete SprachtherapeutInnen sind in Tansania und Ostafrika so gefragt, da sie Menschen in der gesamten Lebensspanne, von der Prävention in der Schwangerschaft, im Säuglings- und Kleinkindalter, durch Förderung während der Schulzeit sowie im Erwachsenen- und hohem Alter mit Sprach-, Sprech-, Schluck-, Stimm-, Redefluss- und Kommunikationsstörungen (wie bspw. Stottern, Artikulationsstörungen, Aphasie und Dysphagie) helfen können. Die ersten tansanischen MA-AbsolventInnen werden nicht nur auf dem klinisch-therapeutischen Arbeitsmarkt, sondern vor allem in Schulen sowie im Bildungs- und Gesundheitswesen mit konzeptionell-administrativen Aufgaben in Organisation des Versorgungssystems sprachbehinderter Menschen dringend benötigt.