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Theoretischer Hintergrund

Als Grundlage für die Bildungsarbeit im Elementarbereich wurde im Januar 2005 der „Orientierungsplan für Bildung und Erziehung im Elementarbereich niedersächsischer Tageseinrichtungen für Kinder“ (Niedersächsisches Kultusministerium, 2005) verabschiedet. Dieser Orientierungsplan beinhaltet Empfehlungen für eine konzeptionelle Entwicklung und die praktische Umsetzung fachgerechter Bildungsansätze, indem grundlegende Aussagen zum Bildungsverständnis, konkrete Bildungsziele, methodische und organisatorische Aspekte der Aufgaben von Fachkräften sowie Anforderungen an Qualitätsentwicklung dargelegt werden. Der Bildungsbereich „Sprache und Sprechen“ ist in der elementaren Bildung von großer Bedeutung, da Sprache als eine Schlüsselkompetenz für den Bildungserfolg und die Teilhabe eines Kindes gilt (Stitzinger & Sallat, 2016). Unzureichende Sprachkompetenzen beeinträchtigen die Kommunikationsfähigkeit und mindern Lernmöglichkeiten in allen Bildungs- und Sozialisationsprozessen. Um eine optimale sprachliche Entwicklung zu ermöglichen, ist demnach eine ganzheitliche Unterstützung und Förderung, integriert in den Alltag der Kinder, von großer Bedeutung (ebd.). Dazu konkretisieren die „Handlungsempfehlungen Sprachbildung und Sprachförderung“ (Niedersächsisches Kultusministerium, 2011) den Orientierungsplan im Lernbereich Sprache und Sprechen.

Die Unterstützung des Spracherwerbs stellt keine zusätzliche Aufgabe dar, sondern ist grundsätzlich Teil der Bildungs-und Erziehungsaufgabe im pädagogischen Alltag einer Kindertagesstätte. Die Umsetzung von Sprachbildung und Sprachförderung in einer Kindertagesstätte vollzieht sich dabei im gesamten Kita-Alltag und liegt in der Verantwortung aller pädagogischen Fachkräfte (Lüdtke & Stitzinger, 2015). Dabei stehen die Kompetenzentwicklung und die Förderung der Zone der nächsten Entwicklung im Vordergrund (Wygotski, 1987). Schwierigkeiten der Kinder im Spracherwerbsprozess müssen frühzeitig erkannt (Jampert et al., 2005) und sowohl innerhalb frühkindlicher Bildungseinrichtungen als auch in einem übergreifenden Unterstützungsnetzwerk interprofessionell begleitet werden (Stitzinger & Sallat, 2016). Die präventiv-pädagogische Förderung in der Kindertagesstätte verfolgt zwei Ansätze, die verbunden geplant und durchgeführt werden müssen (Niedersächsisches Kultusministerium, 2011):
 

  • Sprachbildung meint eine systematische Verankerung von präventiven sprachlich-kommunikativen Angeboten im pädagogischen Alltag und richtet sich an alle Kinder (Spreer & Girlich, 2017). Dabei werden diese Angebote nicht von externen ExpertInnen verwirklicht, sondern von allen pädagogischen Fachkräften.
  • Sprachförderung stellt eine gezielte Intensivierung der Sprachbildung dar. Sie wird angewandt, wenn ein spezifischer Förderbedarf diagnostiziert und aufgrund dessen eine besondere Intervention abgeleitet wurde.


Da der kindliche Spracherwerb mit allen Lern- und Entwicklungsbereichen der frühen Kindheit zusammenhängt, sollten alle Bezugspersonen des Kindes eingebunden werden, um eine optimale Entwicklungsbegleitung und –unterstützung zu ermöglichen. Die präventive sprachliche Arbeit darf nicht allein an externe ExpertInnen delegiert werden, sondern ist Aufgabe aller an der Erziehung beteiligten Personen. Es muss daher eine interprofessionelle Teamarbeit aufgebaut werden, sodass eine wirksame Konzeptualisierung von Sprachbildung und Sprachförderung gewährleistet wird (u.a. Bereznai, 2017). Dazu sind effektive Qualifizierungsmaßnahmen der Fachkräfte zu weiterzuentwickeln, durchzuführen und zu evaluieren.